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Wien, am 31.7.2012

 

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Utl.: Traumatisierung der Heimatvertriebenen noch immer aktuell

 

Dass die Zeit nicht alle Wunden heilt, wer wüsste dies nicht besser als die Heimatvertriebenen als Opfer nach dem 2. Weltkrieg.

Heute stehen in solchen Fällen Fachkräfte zur Seite, in Bad Reichenhall gar ein Zentrum für Psychotrauma-tologie.

In einem Beitrag der Fachschrift „Sicherheitsreport“ befasst sich der leitende psychologische Psychotherapeut, Gerhard Wolfrum, des Zentrums für Psychotraumatologie (ZfP), mit dieser Thematik. Er schreibt u.a.:

„Immer wieder läuft das erlebte Grauen wie ein Film im Kopf der Betroffenen ab“. „Sie können die Erinnerungen nicht stoppen, ziehen sich zurück und früher oder später halten Sie sich selbst für verrückt.

Als Traumafolgestörungen entwickeln die Betroffenen zum Beispiel Schlafstörungen und Albträume. Sie sind schreckhaft und gereizt, haben Schwierigkeiten Nähe und Distanz zu regulieren. Als Folge sind sie den Anforderungen von Arbeitsalltag und Familienleben oft über lange Zeit nicht mehr gewachsen.

„Im Zentrum traumatischer Erfahrungen stehen ein oder mehrere, ‚eingefrorene’, affektiv hoch aufgeladene Zustände“, erklärt Wolfrum. Neurobiologische Erkenntnisse und Verfahren der letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass diese Erfahrungen nicht wie andere einfach vom Stressverarbeitungssystem „ad acta“ gelegt werden können. „Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden.“ „Während das Hirn immer wieder mit Erinnerungs-Abszessen“ kämpfe, blieben auf der Körperebene Muskelgruppen dauerhaft angespannt. Dies könne zum Beispiel zu chronischen Schmerzsyndromen führen. Wolfrum: „Eine reine Gesprächstherapie reicht hier meistens nicht aus, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.“