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 Wien/Frankfurt/Main, 7. März 2012

 
Die „Wilde Vertreibung“ war nicht wild, sondern geplant
Ausstellung im Bürgerhauses Saalbau Titus-Forum, Nordwestzentrum,
Frankfurt am Main vom 4. bis 23. März 2012
 
Die „Abschiebung“ (tschechisch: odsun) der Deutschen aus der Tschechoslowakei, von den Siegermächten als geordneter und humaner „Transfer“ gedacht, war im Mai/ Juni 1945 von Terror und zügelloser Gewalt begleitet. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen spontanen Ausbruch von Volkszorn und Rache für selbst erlittenes Unrecht, sondern um eine geplante Aktion des militärischen Geheimdienstes, um noch vor der Potsdamer Konferenz vollendete Tatsachen zu schaffen. Die Kommunisten spielten dabei eine besondere Rolle. Eine Ausstellung in Frankfurt/ Main informiert über neue Erkenntnisse zur Vertreibung der Sudetendeutschen.
 
Stalin hatte es in der Sowjetunion vorgemacht: die rücksichtslose Deportation von Volksgruppen als Herrschaftsmittel. Als Ausbilder der tschechoslowakischen Befreiungsarmee brachten die russischen Kommunisten ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung und Durchführung derartiger Aktionen an den Mann. Die einheimischen Tschechen in den deutschbesiedelten Grenzgebieten verhielten sich dabei, von Ausnahmen abgesehen, eher passiv und wurden teilweise selbst Opfer des rabiaten Vorgehens der militärischen „Sicherheitsorgane“. Es regte sich sogar Unmut in der Bevölkerung, der 1947 zu einer parlamentarischen Untersuchung des Massakers in Postelberg führte. Der Kommunistischen Partei gelang es jedoch, die Dankbarkeit der tschechischen und slowakischen Neuansiedler in Nordböhmen politisch zu nutzen.
 
Die Ausstellung des Fördervereins der Stadt Saaz/ Žatec mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main wurde am Freitag, den 2. März 2012 unter großer Anteilnahme des Publikums eröffnet. Sie stellt bisher geheime Dokumente und Akten vor, die ein neues Licht auf die finsteren Monate nach Kriegsende im deutsch-böhmischen Grenzgebiet werfen, und konfrontiert sie mit Zeitzeugenaussagen der Opfer. Sie wurde aus einer ähnlichen Ausstellung der Föderation unabhängiger Schriftsteller (Prag) entwickelt, die 2006 in der Tschechoslowakei gezeigt wurde und dort großes Aufsehen in Öffentlichkeit und Presse erregte. Die deutsche Version wird nun drei Wochen zu sehen sein und soll später auch in anderen Städten gezeigt werden.
Ausstellung vom 4. bis 23. März, täglich 9-20 Uhr (11. und 20. März geschlossen)
im Foyer (1. Etage) des Bürgerhauses Saalbau Titus-Forum, Nordwestzentrum,
Walter-Möller-Platz 2, Frankfurt am Main
Weitere Informationen: otokar.loebl@t-online.de oder Telefon 069-7892817
 
                                                         Dr. Andreas Kalckhoff, Pressesprecher