Sudetendeutsche, Heimatvertriebene, Haus der Heimat in Wien, Sudetendeutscher Heimattag, Märzgedenken, Zeitgeschichte, Böhmen-Mähren, Sudetendeutscher Pressedienst, Sudetenpost, Publikationen

Wien, am 27. November 2012

 

SLÖ gedenkt des 100. Geburtstages von Dr. Walter Becher

 

v.r.n.l.Dr. Walter Becher, Silvia Schlosser (SLÖ-Pressereferentin) mit Bundespräsident Dr.Rudolf Kirchschläger in der Hofburg anläßlich des Sudetendeutschen Tages 1977 in Wien

Schon am 1. Oktober 2012 jährte sich der Geburtstag Walter Bechers zum hundertsten Male.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich gedenkt eines SL-Amtswalters, der besonders tief mit Österreich verbunden war; wohl auch wegen seines Studiums in Wien und seiner lieben Frau aus der Steiermark!

Wie er in seinen Memoiren ausführt, geht auch der Name Witikobund auf ihn zurück, weil ihm die Gestalt aus Adalbert Stifters Roman Programm war: Das Rechte und Gute tun und dabei immer dem Grundsatz des „sanften Gesetzes“ verpflichtet sein (sh. „Zeitzeuge“, 1990, S. 188 ff.).

Bechers Geburtsort war das Weltbad Karlsbad, wo seine Familie seit 1530 nachzuweisen ist. Früh gehörte er zur örtlichen Gruppe des Wandervogels. Daher war er mitunter Zaungast bei Sitzungen des Kameradschaftsbundes. Seine dabei gemachten Beobachtungen schildert er farbig und erhellend in seinen Memoiren „Zeitzeuge“. Nach der Matura studierte Becher von 1931 bis 1936 Staatswissenschaften an der Universität Wien und promovierte bei Othmar Spann. Folgerichtig gehörte Becher auch zum „Kameradschaftsbund“, der von Walter Heinrich im Sinne der Lehren Spanns aufgebaut worden war. 1933 schloss sich Becher der Sudetendeutschen Heimatfront Henleins an. Als Journalist übernahm er 1938 das Resort Kunst-Wissenschaft-Unterhaltung bei dem NSDAP-Gauorgan „Die Zeit“. Ein Jahr später wurde er im Zuge der Prozesse gegen Angehörige des sudetendeutschen Spann-Kreises für sechs Monate in Dresden inhaftiert. Unnötig zu sagen, dass sein Mitgliedsantrag bei der NSDAP 1938 abgelehnt wurde.

Ab 1940 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil, seit 1942 als Kriegsberichterstatter. Nach der Freilassung aus der Gefangenschaft kehrte Becher zunächst ins Sudetenland zurück, floh aber noch 1945 nach Bayern, wo er sich in der Vertriebenenbewegung engagierte. Im Juli 1945 gehörte er zu den Initiatoren der Sudetendeutschen Hilfsstelle, die sich als Kern einer neuen „sudetendeutschen Volksgruppenführung“ verstand, aber ein Jahr später von der USMilitärregierung aufgelöst wurde. 1947 beteiligte er sich an der Gründung des Sudetendeutschen Rates, dessen Generalsekretär er bis 1982 war. Von 1956 bis 1958 folgte das Ehrenamt als Vorsitzender des Witikobundes. 1959 gründete Becher das Komitee zum Schutz der Bürger gegen Diffamierung durch die Linkspresse. 1968 wurde er zunächst stellvertretender Vorsitzender und danach bis 1982 Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft. In seine Amtszeit fielen die Planungen für das Sudetendeutsche Haus.

Die Vertriebenen verdanken Walter Becher sehr viel. Seine Entwicklungsjahre fielen aber in eine unruhige Zeit, der es oft an richtiger Orientierung fehlte. Der Witikobund kennt die Arbeiten Bechers aus seiner Journalistenzeit sehr wohl und kann nicht alle billigen. Walter Becher hat aber seine Irrtümern eingesehen und sich in der Bundesrepublik stets im verfassungsmäßigen Rahmen bewegt. Er unterschied sich darin nicht von „Geläuterten“ kommunistischer Regime in Europa. Als Vertriebenenpolitiker vertrat er das Völkerrecht und die Menschenrechte wie sie in der UN-Charta formuliert sind.

Walter Becher starb am 25. August 2005 im hohen Alter von fast 93 Jahren. Er hat in der Zeit seines Ruhestandes seine Lebenserinnerungen verfasst, die ein wichtiges Zeitdokument sind.