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Offener Brief an Vizepräsident Joe Biden

26. April 2014

 

Offener Brief

an den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika

Herrn Joe Biden, With House, USA Washington

 

Sehr geehrter Herr Vizepräsident Joe Biden,

bei Ihrem Staatsbesuch am 22. April 2014 in Kiew, erklärten Sie mit Blick auf die Krim,

dass kein Staat dieser Welt  das Recht habe, einem anderen Staat Land zu rauben. 

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir Sie daran zu erinnern, dass in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur dem Deutschen Reich mehr als ein Drittel seines Territoriums sondern auch anderen europäischen Staaten weiten Gebiete geraubt wurden.

Dieser Raub, nach dem Willen des Diktators Stalin, wurde von den Vereinigten Staaten nicht nur hingenommen sondern wird bis zum heutigen Tage wohlwollend begleitet und als end-gültig betrachtet. Das Buch des amerikanischen Professors und UNO Experten Dr. Alfred de Zayas, „Nemesis at Potsdam“ (Routledge 1977 und spätere Ausgaben) mit einem exzellenten Vorwort des ehemaligen US Botschafters und Eisenhower Beraters Robert Murphy, bestäti-gen den historischen Ablauf. 

Bedauerlich  erscheint es, dass Ihre Erklärung auf einem historischen Boden abgegeben wurde und damit den Eindruck der Unkenntnis erweckt haben. Bereits 1921 wurden Teile der Ukraine (Lemberger Gebiet) von Polen mit militärischer Gewalt besetzt und an Polen ange-gliedert. (Landraub)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden etwa eine Millionen polnisch stämmige Ukrainer in das von Polen geraubte deutsche Staatsgebiet und somit auch in das entschädigungslos geraubte Eigentum der ausgetriebenen deutschen Bevölkerung umgesiedelt. (Landraub)

Die  etwa 12 Millionen Deutschen wurden zuvor unter barbarischen Bedingungen völlig ausgeraubt aus ihrer angestammten Heimat ausgetrieben. Fast 3 Millionen fanden den Tod.      

Dies alles geschah im vollen Wissen und mit wohlwollender Begleitung der damaligen  US-Regierungen. Professor R. M. Douglas verdeutlicht den Vorgang in seinem Buch „Orderly and Humane“ (Yale University Press 2012)

Im Falle der historisch zu Russland gehörenden Krim kann man dagegen nicht von Landraub ausgehen und eine Austreibung sowie eine Ausraubung der gesamten dort ansässigen Bevölkerung haben ebenfalls nicht stattgefunden.

Sollten die USA davon ausgehen, dass es einen gerechten und ungerechten Landraub geben darf, dann wäre das, wenn zudem noch eine ethnische Austreibung mit dem Landraub verbunden ist,  das Zeichen eines realexistierenden und praktizierten Rassismus.

Ebenso unverständlich erscheint es, dass die USA den historisch als Massenmörder zu be-trachtenden Stalin, bei seinen Landraubzügen und Massenmorden unterstützt haben, den heutigen nach Frieden und Sicherheit für sein Land strebenden Präsidenten Putin dagegen gnadenlos bekämpfen.

Die Opfer einer derartigen doppelzüngigen Politik gewinnt man nicht als Freunde und alte einst gewonnene Freunde verliert man. 

Wir gehen davon aus, dass Sie den Opfern dieser, zumindest als unlogisch zu betrachtenden Politik, eine Antwort schuldig sind und gehen davon aus, dass wir eine solche, von Ihnen Herr Vizepräsident, in Bälde erwarten können.

 

Hochachtungsvoll

Herbert Jeschioro, Breslau

ZvD, Kilianstr. 8  70327 Stuttgart

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