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Neue Sonderausstellung im Böhmerwaldmuseum Wien

Neue Sonderausstellung im Böhmerwaldmuseum Wien

Am 27. April 2014 wird um 15 Uhr die neue Sonderausstellung 2014/2015 im Wiener Böhmerwald-museum eröffnet. Aus Anlass des 160jährigen Firmenbestandes im Jahr 2015 widmet das Museum seine Ausstellung dem einst weltweit größten katholischen Kalender- und Gebetbuch-verlag J. STEINBRENER aus Winterberg (heute Vimperk, CZ) im Böhmerwald.

Im Jahr 1855 gründete der 20jährige Johann Steinbrener, der in Krummau eine Buchbinderlehre absolviert hatte, in seinem Elternhaus in Winterberg einen kleinen Buchdruckerbetrieb mit Hand-presse. Es gelang ihm mit Fleiß und Sachverstand, diesen Betrieb ständig auszubauen. Immer mehr Mitarbeiter sowie eine bessere maschinelle Ausrüstung wurden erforderlich.

Im Jahr 1872 wurde eine eigene Druckerei für Gebetbücher eingerichtet, 1873 mit dem Druck von Kalenderausgaben begonnen und im gleichen Jahr bereits eine Prämierung bei der Weltausstel-lung in Wien erreicht. Die Mitarbeiteranzahl betrug 1875 schon 40 und erhöhte sich bis 1910 auf 1000.

Dieser einmaligen Firmenentwicklung lagen der Bedarf an Gebetbüchern in anderen Sprachen (Ausgaben in 29 verschiedene Sprachen) sowie die große Vorliebe für Buchkalender, Hauskalender und Katholische Druckwerke zugrunde. Ab 1930 waren 400 Maschinen im Einsatz (20 Buchdruck-Schnellpressen, Zweifarben-Rotationsmaschinen, Dampfmaschinen, ein eigenes E-Werk sowie 10 Dampf- und Wasserkraftanlagen).

Der Firmengründer Johann Steinbrener (nach 1907 dessen Söhne Johannes und Rupert, danach Hans Thomas und Dr. Rupert) legte den Grundstein zu einem Firmen-Imperium mit mehreren Fabrikstandorten in der Stadt Winterberg selbst, mit Niederlassungen in Wien, Budapest, Prag, Strassburg, Mailand, Neisse, Dublin, Milwaukee, New York u.a.m.

Dabei waren ihm die Versorgung und Unterbringung seiner Mitarbeiter stets ein besonderes Anliegen. So wurden Wohnhäuser für die Arbeiter und Beamten, Erholungsheime, eine Waisen-anstalt und eine Suppenanstalt für Arme und Kranke, eine eigene Pensionsregelung und Behinderten-Arbeitsplätze geschaffen so wie Stadt und Kirche unterstützt – um hier nur einen kleinen Einblick in die karitative Seite der Firma zu geben.

Künstler wurden unterstützt und viele Schriftsteller, Dichter und Heimatforscher des Böhmer-waldes konnten in den verschiedenen „Steinbrener-Kalendern" ihre Beiträge veröffentlichen (wie unter anderem Dr. Heinrich Micko, Anton Schott, Dr. Rudolf Kubitschek, Oswald Fritz oder Johann Peter, dem sogar eine Villa für seinen Lebensabend in Winterberg zur Verfügung gestellt wurde).

Hohe Ehrungen blieben hier natürlich nicht aus. So wurde Johann Steinbrener zum Ritter des Franz-Josephs-Ordens und des Päpstlichen Sankt Sylvester-Ordens ernannt. Seine Gattin erhielt den Elisabeth-Orden. Die Firmeninhaber wurden zu k.u.k. Hof-Buchdrucker ernannt. Der Vatikan erlaubte dem Verlag die Verwendung des Papst-Wappens und verlieh den Titel „Verleger des Heiligen Apostolischen Stuhles".

Reinhold Fink schildert in seinem Buch „Advokat und Zuckerbäcker – Handel, Gewerbe und Industrie 1930 bis 1940 im Böhmerwald": -- Bis 1930 waren 34,5 Millionen Buchkalender, über 100 Millionen Gebetbücher und 1060 Verlagswerke gedruckt worden. Und 1937 wurden 5 Mil-lionen Gebet- und Messbücher pro Jahr produziert, wobei der Exportanteil 91% betrug. Während der NS-Zeit kam es zu einschneidenden Maßnahmen gegen das Unternehmen wie Einschränkung des Papiermaterials, Enteignung von nahezu 90% des Letternmaterials und der karitativen Ein-richtungen. --

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie enteignet und aus Winterberg vertrieben.

Nachdem aber schon im Jahr 1931 in Oberösterreich in der Gemeinde Kirchdorf am Inn das Schloss Katzenberg als Familiensitz erworben worden war (ist bis heute noch als solches im Familienbesitz, wo auch ein kleines Buchdruckerei-Museum sowie ein Nachttopf-Museum untergebracht wurde), begann man ab 1946 in Schärding am Inn wieder einen kleinen Betrieb aufzubauen. Dabei spezialisierte man sich auf wertvolle Gebetbuchgestaltungen, Faksimile-Bucheinbände, Mappen und Gästebücher u.s.w. Nach einigen Jahren konnten auch hier wieder 40 Mitarbeiter beschäftigt werden. Aber es machte sich natürlich auch das Fehlen der Absatzmärkte im Ausland bemerkbar sowie die Not der Nachkriegszeit.

Der Betrieb in Schärding wird heute in der fünften Generation von Johannes Jörg Steinbrener geführt. Wurde vor einigen Jahren auch noch eine Niederlassung in Deutschland unterhalten (Neuhaus am Inn),so haben die ungünstige wirtschaftliche Entwicklung auf dem Buchdruckmarkt sowie die immer geringer werdende Nachfrage nach hochwertigen Gebetbüchern und Sonderan-fertigungen die Firma J. Steinbrener nunmehr zu einem Kleinbetrieb schrumpfen lassen.

Das Böhmerwaldmuseum Wien (1030 Wien, Ungargasse 3) zeigt in seiner Sonderausstellung viele Erzeugnisse (Gebetbücher, Kalender, Messbücher etc.) der Verlagsanstalt Steinbrener sowie zahl-reiche Bilder zur Familien- und Firmengeschichte.

Die Ausstellung ist ab 27. April 2014 bis 19. April 2015 jeden Sonntag von 9 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt zugängig (Spenden erbeten). Sonderführungen nach vorheriger Anmeldung jederzeit möglich (e-mail:  boehmerwaldmuseum@aon.at" oder Telefon Dr. Gernot Peter +43 664 8888 2824).