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Gedenktage sudetendeutscher Kirchenmänner in Wien (1)

Gedenktage sudetendeutscher Kirchenmänner in Wien (1)

Utl.: Kirchenhistoriker Prof. Rudolf Grulich auf den Spuren von Kardinälen und Pröbsten

Vor 100 Jahren hatte in Wien Thronfolger Franz Ferdinand im Jahre 1913 dem alten Kaiser Franz Joseph nach dem Tode des Wiener Erzbischofs Kardinal Franz Xaver Nagel den Propst des Stiftes Klosterneuburg Friedrich Gustav Piffl zum neuen Erzbischof von Wien vorgeschlagen. Der Vatikan akzeptierte das Vorschlagsrecht des Kaisers und ernannte Propst Piffl zum Erzbischof der Kaiserstadt.

2014 gedenkt Wien, aber auch die Sudetendeutschen des 150. Geburtstages dieses großen Kirchenmannes, der wie viele Bischöfe und hohe  Prälaten Wiens aus dem Sudetenland stammte.

Seit dem 19. Jahrhundert waren viele junge Sudetendeutsche in österreichische Priesterseminare und Klöster eingetreten, weil in den Diözesen Böhmens und Mährens der Tschechisierungsdruck zunahm. In manchen Stiften Ober- und Niederösterreichs war der Anteil sudetendeutscher Ordensleute sehr hoch, vor allem bei den Augustinerchorherren in Klosterneuburg.

Auch in der Hierarchie, unter Äbten und Bischöfen, finden sich zahlreiche in Böhmen und Mähren Geborene, was für Klosterneuburg und Wien besonders gilt. Im Stift Klosterneuburg der Augustinerchorherren waren sechs Pröpste Sudetendeutsche. Drei von ihnen haben heutigen Orten von Groß-Wien den Namen gegeben.

So ist Floridsdorf nach Propst Floridus Leeb benannt, der aus Nikolsburg stammte. Nach seinem Nachfolger Gaudenz Dunkler aus Piesling ist Gaudenzdorf im heutigen 12. Wiener Bezirk benannt, nach Propst Wilhelm Sedlaczek aus Groß-Seelowitz der Ort Wilhelmsdorf.

Auch vor Erzbischof Piffl saßen Mährer auf dem fürsterzbischöflichen Stuhl in Wien wie der gebürtige Brünner Vinzenz Eduard Milde.

Milde wurde 1777 in der mährischen Hauptstadt geboren und besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, ehe er zum Studium nach Wien und Olmütz ging. Weil er nach dem Studienabschluß noch zu jung für die Priesterweihe war, lehrte er Sprachen am Seminar und wurde dann im Jahre 1800 zum Priester geweiht.

Es folgten Jahre als Religionslehrer an verschiedenen Wiener Schulen und im Jahre 1805 seine Ernennung zum Hofkaplan und Hofburgvikar sowie 1806 die Berufung auf den neu errichte-ten Lehrstuhl für „Unterweisung und Erziehung der Jugend“ an der Wiener Universi-tät. Milde schrieb damals ein zweibändiges Lehrbuch der Erziehungskunde, das bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Österreich für alle Pädagogen maßgebend blieb.

Aus gesundheitlichen Gründen ging aber Milde bald in die Pfarrseelsorge. 1823 wurde er zum Bischof von Leitmeritz ernannt, wo Bischof Hurdalek hatte zurücktreten müssen. In dieser schwierigen Situation reorganisierte der neue Bischof das Priesterseminar und setzte sich energisch für eine gute Ausbildung seiner Priester und aller Lehrer ein.

Schon 1831 nominierte ihn Kaiser Franz I. in Würdigung seiner pastoralen Leistungen zum ersten bürgerlichen Erzbischof in Wien. Auch in der Kaiserstadt setzte Erzbischof Milde sein Pastoralkonzept fort. Wie in Leitmeritz ordnete er auch in Wien das Priesterseminar neu und war bei den Visitationen in den Pfarreien seiner Erzdiözese auf die Qualität von Schule und Katechese bedacht.

Der als Pädagoge, Priesterbildner und Seelsorger große Erzbischof hielt sich bei der Revolution im Jahre 1848 sehr zurück und verordnete seinem Klerus strikte politische und publizistische Abstinenz, was ihm Widerstand von Laien und auch von Geistlichen aus den Reihen des niederen Klerus einbrachte.

Die Initiative zur ersten österreichischen Bischofskonferenz 1849 in Wien ging deshalb auch nicht vom Wiener Fürsterzbischof Milde, sondern vom Salzburger Kardinal Schwarzenberg und dem Seckauer Fürstbischof Rauscher aus.