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ERINNERUNG ALS PRÄVENTION- türkischer Völkermord an den Armeniern

 

Wien/Bochum, am 23. April 2014

ERINNERUNG ALS PRÄVENTION- türkischer Völkermord an den Armeniern

Utl: Genocid 1915 – 99 Jahre vergangen

Ein ganzes Jahr lang wird man sich in Deutschland mit den Folgen des ersten Weltkriegs beschäftigen. Das ist gut so, es wird höchste Zeit. Denn zwangsläufig wird man dabei auch auf jenes Verbrechen stoßen, das im Windschatten dieses Kriegs stattfand und das aus Gründen der militärischen und der politischen Opportunität nie wirklich Eingang in das öffentliche Bewusstsein in Deutschland und Europa gefunden hat: den türkischen Völkermord an den Armenier.

Um zu begreifen, was damals  am Rande der internationalen Wahrnehmung geschah, muss man sich die Denkmodelle vergegenwärtigen, die in die Katastrophe des  Ersten Weltkriegs, in die schwarze Nacht des Genozids an den Armeniern und letztendlich in den Holocaust an den europäischen Juden führten. Nationalismus, Kolonialismus, ein pervertierter Darwinismus, der zu einer Diktatur des Proletariats verkürzte Marxismus – all das sind eben solche Denkmodelle.

Hoffen wir also, dass die neue deutsche Auseinandersetzung mit der Geschichte des ersten Weltkriegs auch dazu führt, eine neue Debatte über das Thema Völkermord anzustoßen. Wie kann es sein, dass ein Land, das selbst die Schande eines Völkermords begangen hat, so lange Jahrzehnte braucht, um einen anderen Völkermord als solchen zu benennen und eindeutig zu verurteilen?

Wie kann es sein, dass Deutschland seit nunmehr 99 Jahren schweigt zum Verbrechen des Genozids von 1915? Und wenn es nicht schweigt, dann doch sich windet, sich herauszureden versucht? Dabei ist klar – und all die Gedenkartikel zum Weltkrieg, all die Gedenksendungen, all die historischen Rückblenden werden es beleuchten: Deutschland trägt Verantwortung.

Es ist ein schauriger Dreiklang: 100 Jahre erster Weltkrieg, 100  Jahre Genozid an den Armeniern, 100 Jahre Leugnungspolitik seitens der Türkei. Eine Leugnungspolitik, an der sich Deutschland lange – und anhaltend bis heute – beteiligt hat. Wir nähern uns diesem schrecklichen Datum, dem 24. April 2015, sind nur noch einen Schritt davon entfernt. Es eilt also, das Versäumnis der Anerkennung nun endlich nachzuholen. Der 24. April ist ein Wundmal, das jedem Armenier eingebrannt ist. Und das uns allen – Deutschen, Armeniern, Türken – eine besondere Verpflich-tung sein sollte: Erinnerung als Prävention.

Die Würde des Menschen ist unantastbar – und das gilt über seinen Tod hinaus. Es ist das Recht der Toten, dass die Wahrheit über ihren Tod ans Licht kommt, dass sie öffentlich wird. Das ist das Mindeste, was die Nachwelt, was wir tun können. Und das heißt: 1. Die Leugnung verletzt die Würde des Menschen, und 2. Die Wahrheit öffentlich zu machen, ist eine unabdingbare Aufgabe unseres Bildungssystems. 

„Wer denkt denn heute noch an die Vernichtung der Armenier?“ Dieser Satz Adolf Hitlers verweist darauf, dass nur eine rechtsverbindliche Anerkennung und Verurteilung von Völkermord poten-tielle Nachfolgetäter abhalten könnte. Nur wenn eindeutig klar ist, dass die Weltgemeinschaft nicht wegschaut, werden sie wissen, dass ihre Pläne in Zukunft undurchführbar werden. 

Die Öffentlichkeit in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt muss die Wahrheit des Völkermords tief im Kanon ihrer historischen Erinnerungen ver-ankern.

Armenisch-Akademischer Verein 1860 e.V.

Evangelische Kirchengemeinde Bochum-Linden

 

Kontakt:

Azat Ordukhanyan, 0175-9631556, vorstandaav1860@gmail.com

Pfarrer Rolf Schuld, Passchuld@aol.com