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Tobias Weger / Konrad Gündisch

 

Kaschau /Košice

Eine kleine Stadtgeschichte

 

2013, 184 Seiten, 33 Abb., ISBN:978-3-7917-2479-9, Preis: € 15,40 (A), € 14,95 (D), CHF 21,90 (CH). Verlag Friedrich Pustet, D-93051 Regensburg, Gutenbergstr. 8,  Telefon 0941 / 92022-0

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2013 war Kaschau (slowak. Košice, magy. Kassa) neben Marseille europäische Kulturhauptstadt. Dies gab den Anstoß, dass der Regensburger Verlag Friedrich Pustet die vorliegende „Stadtge-schichte“ herausgab.

Die beiden Autoren sind Angehörige der zeitgeistigen, bundesdeutschen Historikerzunft eines Oldenburger „Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“. Dadurch wird verständlich, dass die Haupttendenz der Ausführungen in diesem Buch darin besteht, eine Überbetonung des deutschen Anteils an der Geschichte und Kultur von Kaschau peinlich zu vermeiden.

Weniger zurückhaltend sind die Verfasser interessanterweise bezüglich der Bedeutung und der Leistungen der Magyaren für die Stadt, was wohl damit zusammenhängt, dass sie laut Vorwort vom Ungarischen Institut Regensburg und dessen Direktor „unterstützt“ wurden.

Diese Zusammenarbeit dürfte allerdings noch in die Wege geleitet worden sein, bevor die derzeitige ungarische Regierung auf den Index der EU und der Bundesrepublik geraten ist. Denn hätte man das geahnt, wäre den beiden Historikern das Wagnis, die Unterstützung dieses Institutes in Anspruch zu nehmen, doch zu groß gewesen.

Schon auf der ersten Seite halten die Herren Gündisch und Weger mit dem Zweck der Übung nicht hinter dem Berg: Sie heben die „multikulturelle Einwohnerschaft“ in Vergangenheit und Gegen-wart der Stadt hervor. Viele ethnische Gruppen hätten „der Stadt ihr Gepräge verliehen“.

Dabei stellen sie „Deutsche und Österreicher“ auf eine Bedeutungsebene nicht nur mit den beiden anderen Nationalitäten, Slowaken und Magyaren, die Kaschau in größerer Zahl bewohnten, sondern mit den städtischen Klein- und Kleistgruppen der Ukrainer, Tschechen und Roma.

Deshalb müssen sie sich gleich darauf entschuldigen, dass sie den deutschen Namen der Stadt verwenden, dahinter verberge sich „kein Versuch einer einseitigen Vereinnahmung“ … „Kaschau war nie eine ´deutsche Stadt´, ….“ (S. 9).

Die historische Wahrheit „sine ira et studio“, also objektiv und sachlich, besteht darin, dass seit der Gründung der Stadt im 13. Jh. bis zum 17. Jh. Kaschau mit deutlicher Mehrheit von deutschen Stadtbürgern bewohnt wurde. Bis ins 19. Jh. bildeten sie eine starke Minderheit.

Noch 1880 gaben bei der Volkszählung von 26.097 Einwohnern 16,7% (4.358) Deutsch als Um-gangssprache (40,9% Slowaken, 39,8% Magyaren, 2,6% Sonstige) an. Selbst 1930 gab es noch von nun 70.117 Einwohnern 4,8% Deutsche (3.354).

Das apodiktisch geäußerte „Kaschau war nie eine deutsche Stadt“ müsste bei gerechter Betrach-tung geändert werden in: „Kaschau ist seit der Vertreibung als Folge der Beneš-Dekrete 1945/46 eine Stadt, aus der heute deutsche Sprache und Kultur weitgehend verschwunden sind (2011 = 0,2% Deutsche).

Von den Beneš-Dekreten ist im entsprechenden Kapitel des Stadtführers, das unter dem Titel „Kommunistische Umgestaltung“ (S. 151) steht, natürlich nichts zu lesen, sondern nur von den Potsdamer Beschlüssen, die in Wirklichkeit nur ein Protokoll waren, in dem die schon im Gang befindliche Vertreibung der Deutschen und Ungarn aus der Tschechoslowakei und Polen zur Kenntnis genommen wurde.

Hier wird auch eine für den Rezensenten völlig neue Weisheit verkündet: „Andere (Deutsche) siedelten später auf freiwilliger Basis in die Bundesrepublik Deutschland bzw. in die DDR aus“. Damit meinen die beiden Herren wohl jene Deutschen und Ungarn, die im nahe der Stadt gelegenen Arbeitslager (= Hungerlager) Ruskov bis 1953 Zwangsarbeit leisten mussten.

So wie das Ende der deutschen Besiedlung Kaschaus verschwiegen und verharmlost wird, so wird auch der Beginn auf den Zeitraum nach 1241, dem Jahr des Mongoleneinfalls, hinausgeschoben. Übergangen wird dabei, dass schon während  der Regierungszeit des ersten ungarischen Königs Stephan I., der Heilige, zusammen mit seiner Gemahlin, der Kaiserschwester Gisela, Ritter und Kolonisten zahlreich aus Bayern nach Ungarn kamen.

Die Missionierung im 11. Jh. wurde meist von Klöstern durchgeführt, zuerst von den Benedikti-nern, dann von Zisterziensern, Dominikanern und anderen Orden. Sie benötigten zu ihrer Ver-sorgung deutsche Bauern auf ihrem Land, denn vor 1100 war den Magyaren der Ackerbau noch weitgehend unbekannt.

Der Kaschauer Lokalhistoriker Dr. Milan Alexy hat zu diesem Thema eine interessante Abhand-lung verfasst, in der er nachweist, dass die Prämonstratenser schon Jahrzehnte vor dem Mongoleneinfall nur 25 km von Kaschau entfernt die berühmte Klosteranlage von Jossau/Jasov bald nach 1200 errichteten.

Schließlich lässt der vorliegende „Stadtführer“ unerwähnt, dass es König Geza II. (1141 – 1161) war, der hundert Jahre vor dem von Gündisch/Weger angenommenen Siedlungsbeginn die Nieder-lassung von Deutschen in der Zips veranlasste, von wo sehr bald Tochtersiedlungen Richtung Osten (=Kaschau) vorgeschoben wurden.

Auch im Bereich der Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt wird nie direkt darauf hinge-wiesen, dass Handwerkszünfte, Kaufmannsgilden und Bergbaugenossenschaften ausschließlich den Deutschen vorbehalten waren. 1307, so steht zu lesen, wurde Kaschau „die erste erhalten gebliebene Zunfturkunde Ungarns für die Kürschner …. ausgestellt …“ (S. 30/31).

Vergessen wird von den Autoren darauf hinzuweisen, dass diese Statuten natürlich in deutscher Sprache abgefasst wurden. Ähnlich steht es mit dem Übergehen der Tatsache, dass beide Städte-bündnisse, denen Kaschau angehörte, der Bund der „sieben Freistädte“ und jener der „Pentapolis“ mit Kaschau, Bartfeld, Eperies, Leutschau und Zeben ausschließlich aus deutschen Städten be-standen.

Zuletzt  sei noch erwähnt, dass auch die Bau- und Kunstwerke der Epochen der Romanik, Gotik, Renaissance, usw., die heute die kunsthistorische Attraktivität der Stadt ausmachen, Schöpfungen fast ausschließlich deutscher Bauhütten und Künstler sind, was man nur indirekt erschließen kann, gesagt wird es nicht!

Zusammenfassend kann man der „Kleinen Stadtgeschichte Kaschau/Košice“ einen gewissen Infor-mationswert nicht absprechen. Den meisten Lesern werden die oben beispielhaft angeführten Auslassungen nicht fehlen, weil die Kulturleistungen unserer ost- und südostdeutschen Landsleute selbst aus dem Bewusstsein des gebildeten Österreichers oder Deutschen mit Geschick und Ener-gie von den daran Interessierten im In- und Ausland längst gelöscht worden sind. Insofern ist das besprochene Buch ein Spiegelbild unserer Zeit.

Prof.W.Kowalski