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Wien, am .28. April 2014

 

Ausstellung „Meine Zeit steht in deinen Händen“ in Wien eröffnet

Utl.: Regionalmuseum Komotau/Chomutov präsentiert den Komponisten Anton Enders

Zur Vernissage am 25.4.2014 konnte Bundesobmann der SLÖ - Gerhard Zeihsel neben den zahlreich erschienenen Gästen den Gestalter der Ausstellung - den Direktor des Museums in Chomutov/Komotau – Stanislav Déd und seine Gattin im Haus der Heimat begrüßen. Weiters Dr. Gernot Peter, den Obmann des Böhmerwaldmuseums Wien und der Erzgebirgler Heimatstube, den Kulturhistoriker Dr. Dieter Klein und Robert Hölzel – die schon öfters im HdH Ausstellungen gestalteten – und Vertreter verschiedener SLÖ-Heimatgruppen und einen besonderen Glücksfall – Dr. Paula Tischer von der nachbarlichen Komensky-Schule, die vorzügliche Dolmetschaufgaben in der Ausstellung übernahm!

Zeihsel konnte noch beste Grüße von Anton Enders ausrichten – der gerne in Wien dabeigewesen wäre. Er hatte schon Bahnkarten von Baden/Baden besorgt, aber eine Erkrankung wurde akut und er konnte nicht kommen.

Jetzt übernahm Dir. Déd die Vorstellung:

„Meine Damen und Herren, liebe Landsleute,

ich möchte mich vor allem bei Herrn Gerhard Zeihsel und bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich für die Einladung ins schöne frühlingshafte Wien und für die Möglichkeit, die Arbeit des Regionalmuseums in Komotau zu präsentieren, bedanken. Ich bin doppelt so froh, dass es gerade durch die Ausstellung des vorigen Jahres zum 90. Geburtstag des Landsmannes, Künstlers und vor allem Menschen mit reinem Herzen, Herrn Anton Enders gewidmet wurde.

Treten wir in die Welt von Anton Enders mittels seiner Musik, die verschiedene Antlitze hat. Beginnen wir mit häufigen Eintritten aufs Feld der geistlichen Musik, die übrigens den Namen auch der Ausstellung – Meine Zeit steht in Deinen Händen nach dem Psalm 31, Vers 16 verlieh. (Eine Musikprobe wurde vorgespielt.)

Die geistliche Musik ist nicht die Einzige. In der Musik finden wir vor allem unauslöschliche Verbindung mit der Heimat, mit einer ganzen Reihe der Orte, die mit dem Leben seiner Familie verbunden sind - Komotau mit der Geburtsstraße Gerstnergasse, Horschenz, Pürstein, Reihen, Hauenstein. Trotz der verbrecherischen Vertreibung belegt die ununterbrochene Verbindung der Satz aus einem seiner Briefe: „Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie herrlich diese Landschaft im Tal der Eger ist.“ Auch davon bezeugt seine Musik, etwa seine Egerländer  oder Böhmischen Tänze.

Einfluß auf sein Leben hatten einige Männer – in der Kindheit Kappellmeister Franz Müller, für die musikalische Laufbahn Dirigent Josef Keilberth, in der Arbeitskarriere Dirigent Hans Rosbaud. Die wesentlichen Ereignisse in seinem Leben ist die Verbindung mit dem Südwestfunk Baden-Baden. Als Tonmeister verband er mit ihm i. J. 1950 seine professionelle Karriere, die 35 Jahre dauerte. Dank dem Rundfunk arbeitete er mit der Palette der bedeutendsten Weltdirigenten von Pierre Boulez, Werner Egk, Michael Gielen, Rafael Kubelik, Václav Neumann, Erich Leinsdorf, Lorin Maazel bis zu Daniel Barenboim, mit den Instrumentalisten Rudolf Firkušný, Friedrich Gulda, Marta Argerich, Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau und mit den deutschen und ausländischen Orchestern (Bodensee-Sinfonie-Orchester Konstanz, Schwäbische Philharmonie Reutlingen, staatlicher Philharmonie Rheinland-Pfalz in Koblenz, Kurpfälzischer Kammerorchester Mannheim und Sinfonisches Orchester BBC).

Mehr als 3 Jahrzehnte betreute er alljährlich die Donaueschinger Musiktage und hatte Einblick in die avantgardistische Neue Musik mit Uraufführungen von György Ligeti, (Atmospheres 1961), Krzysztof Penderecki (Anaklasis 1960), Wolfgang Fortner, Karl Amadeus Hartmann, Karlheinz Stockhausen, Darius Milhaud u.a.  Es folgte ein Probestück eines Bläserquintetts.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung nahmen wir eine Fülle von wertvollen Belegen der Kontakte mit der musikalischen weltlichen Szene an und wieder kam die typische Reaktion von Anton Enders: „Aber das war nur mein Tagesbrot, ich habe nichts versteckt!“

Eine besondere Beziehung hat Anton Enders zu Österreich. Zuerst eine persönliche Kleinigkeit – Marsch „Gruß an Neusiedl am See“, den er 2011 zum 50. Urlaub, den er dort wie jedes Jahr mit der Familie verbrachte, komponierte.

In Wien im Jahre 1959 übernahm er im Saal des Musikvereines aus den Händen von Dr. Lodgmann von Auen den Sudetendeutschen Kulturpreis. Das ÖRF-Sinfonieorchester unter Leitung von Prof. Karl Etti spielte als Uraufführung sein „Festliches Präludium für großes Orchester“ im Programm des ÖRF. 

Ich bin froh, dass Herr Enders die Aufnahme der Aufführung seiner Kompositionen in der Rundfunksendung auch erhalten konnte. Erlauben Sie uns bitte, damit wir mit der Aufnahme seines Böhmischen Tanzes No.1 in der Aufführung des ÖRF-Sinfonieorchester unter Leitung von Prof. Karl Etti die Ausstellung eröffnen.“

                

Fotos © Branko.Suznjevic

Rundgang durch die Ausstellung

Es folgte die Präsentation der vorbildlich gestalteten Ausstellung durch Dir. Déd mit großartiger Dolmetsch-Unterstützung von Frau Dr. Tischer, der alle sehr dankbar waren!

             

  

Fotos © Branko.Suznjevic

 

Die Ausstellung ist bis 31. Mai 2014 geöffnet – Eintritt frei

von Montag bis Donnerstag, 1030 Wien, Steingasse 25

(Meldung bei der SLÖ-Geschäftsstelle im Hoftrakt, 2. Stock,

Sonderführungen gegen Vereinbarung möglich Tel. 01/712 59 19

oder per E-Mail: office@sudeten.at)