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2012 Sudetentagung

Grußwort
des Bayerischen Ministerpräsidenten und Schirmherrn der Sudetendeutschen Volksgruppe
Horst Seehofer

Als ihr Schirmherr heiße ich die Sudetendeutschen auf ihrem traditionellen Pfingsttreffen, das in diesem Jahr in Nürnberg stattfindet, herzlich willkommen.

Im Pfingsttreffen kommen die Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen immer in besonderer Weise zum Ausdruck. Hier wird die Erinnerung an die alte Heimat lebendig, hier wird an das Unrecht der Vertreibung erinnert, hier zeigen die Sudetendeutschen aber auch ihren berechtigten Stolz auf ihre Leistungen beim Wiederaufbau nach dem Krieg. Zudem ist dieses Ereignis für die Sudetendeutschen eine willkommene Gelegenheit, sich über ihr Selbstverständnis und ihre Zukunft zu verständigen. Die Situation der Volksgruppe ist im Wandel begriffen. Diejenigen, die die Vertreibung erleben mussten, werden weniger. Dafür stehen immer mehr jener in der Verantwortung, die sie nur aus Berichten und Erzählungen kennen. Gleichwohl ist ihnen das Bekenntnis zur Heimat ihrer Vorfahren ein Herzensanliegen.

Für sie bedeutet, zu den Sudetendeutschen zu gehören, eine Identität zu besitzen, die über das Hier und Jetzt hinausweist. Es bedeutet, dass sie sich an überlieferten Werten und bewährten Tugenden orientieren. Aus dem Schicksal ihrer Familien beziehen sie die Kraft und den Mut, die Aufgaben der Gegenwart entschlossen anzupacken und für eine gute Zukunft zu arbeiten – so, wie es die Sudetendeutschen nach 1945 in ihrer neuen Heimat getan haben. Dabei bin ich den Sudetendeutschen unter anderem dankbar, dass sie mich bei meinen Kontakten zur Regierung der Tschechischen Republik vertrauensvoll begleiten und unterstützen. Dem „Vierten Stamm“ Bayerns wünsche ich ein rundum gelungenes Pfingsttreffen 2012.
 

Horst Seehofer

 


 

 

Grußwort von Ulrich Maly,
Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

Zum mittlerweile 24. Mal ist der Sudetendeutsche Tag in Nürnberg zu Gast. Bereits 1955 wurde in Nürnberg erstmals der bis dahin bereits 6. Sudetendeutsche Tag veranstaltet, zuletzt fand die traditionsreiche Zusammenkunft in Nürnberg im Jahr 2008 statt. Die große Verbundenheit der Sudetendeutschen mit der geschichtsträchtigen Stadt ist dabei sicherlich kein Zufall.

Trotz der enormen Zerstörung Nürnbergs infolge des Zweiten Weltkriegs, trotz des dramatischen Mangels an Wohnraum, Nahrungsmitteln und Arbeitsplätzen in den frühen Nachkriegsjahren zählte Nürnberg zu den Kommunen Bayerns, in die seit 1945 mehrere Jahre lang eine Vielzahl von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen strömte. Die räumliche Nähe des Sudetenlandes hat hierbei freilich eine wichtige Rolle gespielt. Doch die weitgehend zerstörte Großstadt bot nach Überwindung der bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 andauernden Notjahre weit mehr als die bloße Nähe zur verlorenen Heimat: Nicht nur der eingesessenen Bevölkerung eröffneten sich neue Lebensperspektiven, sondern ebenso wurden für die so genannten Neubürger rasch beste Bedingungen für eine umfassende Integration in die Aufnahmegesellschaft geschaffen. So wurden in Nürnberg in hohem Maße Wohnungen gerade auch für Flüchtlinge und Heimatvertriebene errichtet,und diese hatten im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der innovativen Industriestadt und des folgenden westdeutschen „Wirtschaftswunders“ gute Chancen auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Hinzu kam die für die Eingliederung in die Nürnberger Wirtschaftslandschaft überaus günstige Berufsstruktur der Sudetendeutschen sowie die Bereitschaft vieler Einheimischer, Eheverhältnisse mit den Flüchtlingen und Heimatvertriebenen einzugehen. Auf diese Weise gewannen auch die Sudetendeutschen und ihre Nachkommen in Nürnberg sowohl ein neues Zuhause als auch eine neue, eine zweite Heimat.

Ich wünsche den Veranstaltern des 63. Sudetendeutschen Tags gutes Gelingen, allen Teilnehmern ein abwechslungsreiches, frohes und harmonisches Zusammensein und der zum ersten Mal im Rahmen eines Sudetendeutschen Tags stattfindenden Kultur- und Tourismusbörse viel Erfolg.
 

Ulrich Maly


 

 

Grußwort
des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier
zum 63. Sudetendeutschen Tag


Wer die vergangenen sechs Jahrzehnte Revue passieren lässt, stellt fest, dass unsere Gegenwart von einer außerordentlich hohen Lebensqualität geprägt ist. Der wirtschaftliche Wohlstand in West- und Mitteleuropa ist beispiellos, die Demokratie und mit ihr Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind fest etabliert. Das ist eine im historischen Maßstab fabelhafte Entwicklung, deren Wert wir nicht überschätzen können. Die guten Bedingungen, unter denen wir leben, treten noch deutlicher hervor, wenn wir uns die Vorgeschichte vergegenwärtigen. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war von zwei Weltkriegen und der nationalsozialistischen Diktatur mit allen ihren Folgen, von grenzenloser Not und unbeschreiblichem Leid geprägt. Die Vertreibung, die Millionen Deutsche erlitten haben, steht in der Reihe der dramatischen, menschenverachtenden Ereignisse dieser Zeit.

Die Vertreibung hat die Menschen ihrer Heimat und ihres Eigentums beraubt, viele sind ums Leben gekommen. Die Ereignisse nicht zu vergessen und die Opfer der Vertreibung zu würdigen, bleibt unsere Aufgabe. Denn nur wenn wir unsere Vergangenheit in ihrem vollen Umfang kennen und verstehen, haben wir eine Chance, Gegenwart und Zukunft angemessen zu gestalten. Zukunft braucht Herkunft.

Es gehört zu den Mut machenden Ereignissen, dass die Vertriebenen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland eine neue Heimat finden konnten, dass die Vertriebenen bereit waren, sich auf neue, ihnen unbekannte Orte einzulassen und ihre Existenz in Wirtschaft und Gesellschaft neu aufzubauen, dass die alteingesessenen Bürger die Hand zum Miteinander gereicht haben. Das ist das Verdienst der Menschen, das ist aber auch das Verdienst der Verbände, zu denen sich die Vertriebenen zusammengeschlossen haben. Ich freue mich, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 63. Sudetendeutschen Tags auf diesem Weg meine herzlichen Grüße übermitteln zu können.
 

Volker Bouffier
Hessischer Ministerpräsident