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Sudetenpost Folge 3,  Wien - Linz, 12. März Wien

 

Unbegründete Ängste   von Manfred Maurer

ANFANG MÄRZ ist in Serbien die Frist abgelaufen, innerhalb der auch die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen eine Rückgabe ihres damals beschlagnahmten Vermögens beziehungsweise eine Entschädigung dafür beantragen konnten. Während Tschechien nicht einmal ansatzweise in diese Richtung denkt oder etwa Kroatien Österreich seit Jahren mit der Inaussichtstellung eines entsprechenden Gesetzes an der Nase herumführt (und Österreich dies offensichtlich bereitwillig zuläßt), hat Serbien ein vorbildliches Gesetz verabschiedet, das In-und Ausländer in der Restitutions- bzw. Entschädigungsfrage gleichstellt und auch keine Stichtags-Falllstricke a la 25. Februar 1948 enthält.

DIE SERBISCHE Restitutionsbehörde rechnet mit etwa sechzigtausend Anträgen. Nun sollte man meinen, daß gerade aus Österreich eine Flut von Anträgen in Belgrad gelandet ist. Immerhin haben hierzulande Zehntausende Donauschwaben nach dem Krieg eine neue Heimat gefunden. Der Informationsstand der Betroffenen sollte aufgrund der intensiven Beratungsdienste der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft hoch sein. Auch die meisten österreichischen Medien hatten zum Teil sogar sehr ausführlich über die Restitutionsmöglichkeiten in Serbien berichtet und etwa darüber informiert, daß nicht nur die Vertreter der Erlebnisgeneration, sondern auch deren Erben anspruchsberechtigt sind. Zudem gab es auch faire Angebote für eine anwaltliche Vertretung (zum Beispiel 500 Euro Pauschale plus im Erfolgsfall fünf Prozent vom Verkehrswert des Restitutionsgutes), die es nicht einmal erforderlich machten, daß Antragsteller selbst nach Serbien reisten.

DENNOCH: Von österreichischen Bürgern wurden bis Ende Februar nur 321 Anträge gestellt. Das Interesse, sich ein Stück von dem mit immerhin zwei Milliarden Euro gebackenen Restitutionskuchen zu holen, hält sich also offenbar sehr in Grenzen. Über die Gründe dafür kann man viel spekulieren, Fakt ist jedoch, daß die Eigentumsrückgabe nicht das größte Problem der Vertriebenen zu sein scheint.

DAS IST EINE wichtige Erkenntnis für die Einordnung der Bedeutsamkeit dieser Frage in der politischen Diskussion. Gerade in Tschechien reagieren ja gar nicht so wenige Vertreter der politischen Klasse auf den Begriff Sudetendeutsche mit einer Art Pawlow'schen Angstreflex: Es besteht eine geradezu panische Angst vor angeblich an der Grenze lauernden Sudetendeut-schen, die in Horden ins Land einfallen und alles zurückfordern würden, was man ihnen 1945 / 1946 weggenommen hat, wenn sie dazu die juristische Möglichkeit hätten. Deshalb wurde auch das absurde Theater um die EU-Grundrechtscharta inszeniert, weil der damalige Präsident Klaus darin die Gefahr sah, Vertriebene könnten sie als Hebel für ihre Eigentumsrechte nutzen. Mittlerweile ist man in Prag klüger geworden.

WIE MAN AM Beispiel Serbien sieht, könnte Prag viel gelassener an die Problematik herangehen. Es scheint tatsächlich so zu sein, daß für die meisten vertriebenen Deutschen beziehungsweise ihre Nachfahren fast siebzig Jahre nach dem verbrecherischen Raubzug die Rückgewinnung des ver-lorenen Eigentums nicht mehr die oberste Priorität hat. Aus vielen Gesprächen mit Enteignungs-opfern kann man sagen: Es geht den meisten in erster Linie um moralische Wiedergut-machung und Rehabilitation, vielleicht noch um eine symbolische materielle Geste.

NUN KÖNNTE MAN einwenden, solange es keine Chance auf Rückgabe oder Entschädigung gibt, hält sich mangels Erfolgsaussicht auch das Interesse in Grenzen. Das serbische Beispiel zeigt aber: Selbst dann, wenn die Chancen sehr gut stehen, bleibt der Ansturm aus.

DIE POLITIK KONNTE daher mit dieser Frage etwas unaufgeregter umgehen. Die Aufhebung der die Deutschen betreffenden Beneš-Dekrete und die Eröffnung von Restitutions- bzw. Entschädigungsmöglichkeiten würde den tschechischen Staat keinesfalls in seinen Grundfesten erschüttern. Andererseits bräuchte auch die Landsmannschaft nicht mehr aus Angst vor dem tschechischen Abwehrreflex auf Distanz zu jenen Sudetendeutschen zu gehen, die sehr wohl eine materielle Wiedergutmachung verlangen. Denn sie sind nur eine Minderheit, die aber - und das gilt es zu betonen - nicht mehr und nicht weniger verlangt als ihr gutes Recht.

 

Dieser Kommentar von Manfred Maurer) erschien in der Sudetenpost Folge 3 vom 13. März 2014.

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