Sudetendeutsche, Heimatvertriebene, Haus der Heimat in Wien, Sudetendeutscher Heimattag, Märzgedenken, Zeitgeschichte, Böhmen-Mähren, Sudetendeutscher Pressedienst, Sudetenpost, Publikationen
Sonderbriefmarke Gablonz

Wien, am 10. Feber 2014

 

Österreichische Post: Sondermarke Gablonz

Utl.: Ausgabetag: 28.2.2014 – Auflage: 360.000 Marken, Wert: Euro 0,62

Die aktuelle Sondermarke aus der Markenserie „Altes Österreich“ würdigt die charmante böhmische Kleinstadt.

Gablonz an der Neiße / Jablonec nad Nisou, befindet sich am Fuße des malerischen Isergebirges. Das historische Zentrum bezeugt die goldene Ära der einstigen habsburgischen Glasschmuckstadt – in den oft steilen Straßen reihen sich prächtige Jugendstilvillen neben imposante Bauten des Barocks, des Klassizismus und der Renaissance.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gablonz im Jahr 1356 – durch einen Angriff des böhmischen Königs Jiří von Poděbrad verschwand die Siedlung 1469 jedoch wieder von der Landkarte.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurden hier erste Glashütten errichtet, doch bereits 1643 brannte der Ort im Zuge des Dreißigjährigen Krieges erneut nieder. Das reiche Vorkommen an Holz, Sand und Wasser ließ die Glaserzeugung dennoch schnell wieder aufleben.

Im 18. Jahrhundert wurde die erste Bijouterie-Manufaktur eröffnet und das „Iserberg-Glas“ erlangte europaweite Anerkennung.

Im Jahr 1866 erhob Kaiser Franz Joseph I. die Marktgemeinde zur Stadt, die nun ihre Hochblüte erleben sollte: Das Sortiment von Glas und Glasschmuck erweiterte sich stetig und wurde bald in alle Teile der Welt geliefert, der Ort entwickelte sich in der Folge zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum.

Neue Straßen und Bahnverbindungen wurden geschaffen und glanzvolle Bauten wie etwa das nach den Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer errichtete Stadttheater verliehen Gablonz ein mondänes Stadtbild.

1918 zerschlug man die Donaumonarchie, und Gablonz gehörte nun zur neu gegründeten Tschechoslowakei (ČSR). Über 3 Millionen Deutsch-Österreicher wurden durch das Diktat von St.Germain das Selbstbestimmungsrecht und der Verbleib bei Österreich verweigert.

Dieses Unrecht und 20 Jahre Unterdrückung durch die ČSR–Behörden und die Ver-weigerung der von der Sudetendeutschen Partei geforderten Autonomie der mehrheitlich deutsch besiedelten Gebiete im Rahmen der ČSR, führte schließlich zum Münchener Abkommen (September 1938) in dem der Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich festgelegt wurde.

Nach dem Krieg wurde die Stadt wieder Teil des tschechoslowakischen Staates. Die meisten deutschen Bewohner wurden des Landes verwiesen, viele der Vertriebenen sammelten sich aber in anderen Städten, wo sie ihr Gewerbe wieder ausübten – so auch im oberösterreichischen Enns, wo die 1947 gegründete Gablonzer Genossenschaft seit Jahrzehnten weltweit Mode- und Silberschmuck vertreibt und in Kaufbeuern/Bayern.

Heute ist das nun zur Tschechischen Republik gehörende Jablonec wieder eine Stadt der Bijouterie und der Glaskunst und ist zudem für viele Besucher auch ein attraktiver Ausgangspunkt für Ausflüge und sportliche Aktivitäten ins Isergebirge.

Das Motiv der Marke „K. K. Postgebäude Gablonz“ zeigt das hiesige Postamt in einer Ansicht von 1899. Erbaut wurde das Gebäude in den Jahren 1892 bis 1894 nach den Plänen des Architekten und k. k. Oberbaurates Friedrich Setz, unter dessen Leitung insgesamt 26 Post- und Telegrafenämter in der Monarchie errichtet wurden. Das „Postovni urad“ wurde vor einigen Jahren renoviert und dient nun wieder als Hauptpostamt der Stadt.