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Dr. med. Elfriede Böhmdorfer

Wien, am 25. Feber 2014

 

 

Abschied von Dr. med. Elfriede Böhmdorfer

Utl.: Unsere ehemalige Bundessozialreferentin starb im 100. Lebensjahr

 

Geboren wurde Sie am 22.10.1914 in Parschnitz bei Trautenau, im Riesengebirge unmittelbar nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, über dessen Ursachen heute nach 100 Jahren die Geschichtsbücher zunehmend umgeschrieben werden. Die Eltern waren einfache Leute, der Vater Bahnhofsvorstand in Lend, Salzburg, und Steinach am Brenner / Tirol. Die Eltern Rosa und Anton Schneider finanzierten unter größter Entbehrung für die beiden hochbegabten Kinder – ihr Bruder Alfred war ein Jahr älter – das Medizinstudium an der Universität Innsbruck.

Dr. Elfriede Böhmdorfer promovierte nach ausgezeichnetem Studienverlauf in Innsbruck. Sie war eine der wenigen promovierten Ärztinnen vor dem zweiten Weltkrieg. Nach dem Studium war sie in St. Pölten im Spital als Ärztin tätig, wo sie ihren späteren Ehegatten Dr. Viktor Böhmdorfer kennen lernte.

Nach der Heirat 1938 musste Dr. Viktor Böhmdorfer unverzüglich für 6 Jahre den Russland-Feldzug mitmachen. Als Arzt war er unbewaffnet und wurde mehrfach wegen seiner aufopfernden Hilfeleistungen für verwundete Soldaten ausgezeichnet. Während des Krieges kamen die drei Söhne zur Welt, 1940 Hellfried, 1943 Dieter und 1945 Wolfgang. Die Kriegszeit verbrachte Dr. Elfriede Böhmdorfer mit ihrer Mutter im Riesengebirge, Trautenau, wo die Familie einen kleinen Besitz hatte und ein Gasthaus führte.

1946 gelang Dr.  Elfriede Böhmdorfer mit ihren Kindern, nachdem ihre Mutter 1945 verstorben war und in Trautenau begraben wurde, die Flucht nach Österreich. Ihr Ehegatte Dr. Viktor Böhmdorfer war zuvor nach kurzer Kriegsgefangenschaft ebenfalls nach Österreich gekommen, gemeinsam bauten sie in Probstdorf, Niederösterreich, - Dr. Viktor Böhmdorfer wurde dort Gemeindearzt – zwei Arztpraxen auf.

Unter erheblichen Einschränkungen wurde die Ausbildung der Kinder finanziert. Persönliche Interessen wurden zurückgestellt. 1968 verstarb ihr Ehegatte Viktor 58-jährig. Dr. Elfriede Böhmdorfer verbrachte auch danach jede Minute im Kreise ihrer Familie und bei ihren Freunden in der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wo sie aktiv mitarbeitete und einige Funktionen übernahm.

Bei der Verabschiedung am 24. Feber 2014 in der Pfarrkirche Wien 13, Ober-St.Veit mit einem Gedenkgottesdienst, den Pfarrer Silvio – dessen Mutter aus Sternberg in Nordmähren stammte – würdigte SLÖ-Bundesobmann Gerhard Zeihsel die Verdienste um die sudetendeutsche Volksgruppe:

„Sie trat 1971 der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Heimatgruppe Riesengebirge in Wien bei und war jederzeit bereit, überall wo es nottat, zu helfen. Sie nahm sich besonders der Mütter an, denen nach dem deutschen Kindererziehungsleistungsgesetz (KLG) finanzielle Unterstützung zustand. Aber auch die Betreuung der Ärmsten – der kranken und alten Landsleute – war ihr ein großes Anliegen.

So blieb es nicht aus, dass Frau Dr. Elfriede Böhmdorfer ab 1986 auch Landesverbands-Sozialreferentin wurde und ab 1987 – 10 Jahre lang mit Herz und Umsicht als SLÖ-Bundes-Sozialreferentin segensreich wirkte. Sie wurde mit der Verleihung des Ehrenzeichens der SL von ihrer Volksgruppe geehrt.

Ich selbst habe Frau Dr. Böhmdorfer Jahrzehnte in Bundessitzungen und SLÖ-Veranstaltungen erlebt, wie Sie aus Heimattreue – oft auch in Ihrer schönen Riesengebirgstracht in Ihrer Bescheidenheit auftrat – aber gerade das strahlte eine Kraft aus und überzeugte! Für ihre Kinder, Enkel und Urenkel war sie immer zur Stelle.

Beim Zusammenleben mit ihrer Familie glänzte sie immer durch ihre humanistische Bildung, ihre Liebe zur deutschen Sprache und ihr außerordentliches historisches Wissen. Beim Auflösen von Kreuzworträtseln stand sie als Beste regelmäßig im Mittelpunkt. Dr. Elfriede Böhmdorfer wurde zuletzt aufopfernd und kompetent von zwei Pflegerinnen, Monika und Susanna Karlikova gepflegt, denen ihr Sohn und Arzt Dr. Wolfgang Böhmdorfer immer helfend und ebenso aufopfernd weit über die ärztliche Betreuung hinaus unter Verzicht auf eigene Freizeit zur Seite stand.

Sie verstarb friedlich am 14.02.2014 zu Hause im Kreis der Familie.

Liebe Frau Dr. Elfriede Böhmdorfer: Nur was sterblich ist an Ihnen geht von uns, Sie selbst leben weiter in unseren  Herzen!“