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Rudolf Ritter, Schauspieler

Schauspieler | Rudolf Ritter | Weißbach | Schlesien | Lovis Corinth | Fritz Lang | Die Nibelungen |

 

Wien, am 31. Jänner 2013

Ein Sudetendeutscher auf der großen Bühne

Der Schauspieler Rudolf Rittner starb vor 70 Jahren

Er war der wohl bedeutendste Schauspieler, den das Sudetenland hervorgebracht hat. Auf der Bühne war er Gerhart Hauptmanns Star, auf der Leinwand glänzte er in Fritz Langs „Die Nibelungen“: Rudolf Rittner, der große Mime aus Weißbach (Kreis Freiwaldau/Österr.-Schlesien), starb vor 70 Jahren, am 4. Februar 1943.

   

Fotos © www.rudolf-rittner.de

Schon mit zwölf Jahren ging der am 30.Juni 1869 in Weißbach/BilPotok geborene Rittner nach Wien, um dort Musik zu studieren, später dann die Schauspielkunst. Er wirkte in zahlreichen deutschen und österreichischen Städten, immer wieder aber zog es ihn nach Berlin, wo er seine größten Erfolge feierte. Seine Paraderolle war sicherlich die des schwarzen Ritters Florian Geyerin Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Drama. 1906 porträtierte ihn der Maler Lovis Corinth, wie er mutig und unverdrossen in den Todeskampf schreitet. Es war der Höhepunkt von Rittners Karriere.

Völlig überraschend trat der erfolgreiche Charakterdarsteller im Jahr darauf von der Bühne ab und zog sich auf seinen Hof im heimatlichen Weißbach zurück. Der Theaterkritiker Julius Bab erklärte Rittners Abgang später damit, dass dem Schauspieler „die trügerische Welt des Theaters“ unerträglich geworden war. Dem „schönen Schein der Kunst“ zog er die „Wirklichkeit seines Grund und Bodens“ vor.

Rittner hat diese Abneigung gegen die Bühne 1906 in dem Drama „Narrenglanz“ verarbeitet. Es handelt von einem Spielmann, der trotz ritterlichen Einsatzes von seiner Umgebung verachtet wird, weil er letztlich doch nur ein Gaukler ist. Kritiker Bab nannte das einen „Zornschrei“ des Schauspielers gegen seinen Beruf. Rittner sprach von einer „persönlichen Abrechnung“.

Dann die erneute Überraschung: 1922 kehrte Rudolf Rittner in die Öffentlichkeit zurück – in einem Stummfilm. In acht Jahren stand er neunmal vor der Kamera. In „Der Meister von Nürnberg“ des späteren Hollywood-Regisseurs Ludwig Berger spielte Rittner die Hauptrolle des Hans Sachs. Der bedeutendste Film aber, an dem er mitwirkte, war der zweite Teil von Fritz Langs „Die Nibelungen“. Rittner spielte darin den Markgrafen Rüdiger von Bechlaren.

Foto © www.rudolf-rittner.de

Nach „Väter und Söhne“, Rittners einzigem Tonfilm, zog sich der Mime 1930 mit 61 Jahren endgültig ins Privatleben zurück. Neunmal war er vor der Kamera gestanden. „Als ich den ersten Film gesehen hatte, war ich begeistert“, erzählte Rittner 1939 einer Berliner Zeitung von seiner ersten Begegnung mit dem neuen Medium. „Die Großaufnahmen hatten mir es angetan: In diesem unerbittlichen Lichte, auf diesem riesengroßen Antlitz, in dem nicht das kleinste Zucken des Mundwinkels verloren geht, kann nur alles Echte, Wahrhaftige bestehen – und der geringste Schwindel, die bloße Allerweltstechnik dagegen muss wirkungslos verpuffen!“ Auch vor der Kamera war Rittner Naturalist.

Thorsten Fels

Weiterführende Informationen über Rudolf Rittner finden Sie im Internet www.rudolf-rittner.de

Fotos verwendet mit freundlicher Genehmung von www.rudolf-rittner.de