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Maurer Manfred: Ortsnamenschande

Wien, am 10. Juli 2013

Ortsnamenschande

von MANFRED MAURER

DER KAMPF um die Verwendung deutscher Ortsnamen ist eine schier unendliche Geschichte. Seit jeher ringen die Vertriebenen darum, ihre Heimatdörfer und -städte auf Landkarten, Prospekten und in sonstigen Publikationen in ihrer ursprünglichen Bezeichnungen wahrnehmen zu können.

Manche Teilerfolge können nicht hinwegtäuschen über die weitverbreitete Ignoranz für dieses Thema.

Nicht allen Journalisten, die konsequent Bratislava statt Preßburg oder Liberec statt Reichenberg schreiben beziehungsweise die deutsche Bezeichnung in Klammer vermissen lassen, darf freilich ein böser Wille unterstellt werden.

Oft drückt die falsche Schreibweise einfach nur den allgemeinen Bildungsnotstand aus. Der überwie-genden Mehrheit der Autoren sind die deutschen Ortsbezeichnungen schlicht nicht geläufig. Und den Schmerz, den viele Vertriebene erleiden, wenn sie nach dem Verlust von Heimat, Hab und Gut auch noch der Namen ihrer Geburtsorte beraubt und so gewissermaßen ein weiteres Mal vertrieben werden, diesen Schmerz können die meisten, denen die Gnade der späten Geburt Derartiges erspart hat, einfach nicht nachempfinden.

UMSO MEHR sind die Vertriebenen gefordert, hartnäckig - und wenn es sein muß, auch entsprechend lästig - für die Bewahrung ihres in den Ortsnamen fußenden kulturellen Erbes einzutreten.

Manche Landsleute tun dies ja auch auf besonders engagierte Weise. Ob damit der Trend zur Verdrän-gung noch umgekehrt werden kann, ist allerdings fraglich. Denn selbst dort, wo man eigentlich Verbün-dete vermuten müßte, können die Ortsnamenschänder unbehelligt ihr Unwesen treiben.

Im konkreten Fall kann Unkenntnis keine Entschuldigung sein: Auf Seite 4 dieser Ausgabe lesen Sie einen Bericht über 206 Partnerschaftsprojekte, welche der Deutsch-tschechische Zukunftsfonds fördert.

Der Text entstammt einer Presseaussendung, welche auf der Homepage des Zukunftsfonds löblicher-weise in beiden Sprachen veröffentlicht ist. Die „Sudetenpost"-Redaktion hat den deutschen Text - gemessen an der Zahl der Worte - nur marginal geändert.

Dennoch erfuhr der Bericht dadurch eine grundlegende Änderung: Bei allen tschechischen Ortsnamen mußte die deutsche Bezeichnung ergänzt werden! Man glaubt es kaum: Auf der Startseite des Zukunfts-fonds (www. fondbudoucnosti. cz/de/) wird zwar behauptet: „Der Zukunftsfonds fördert die Verständi-gung zwischen Deutschen und Tschechen." Doch dem Leser wird die Grundlage jeder Verständigung verweigert - nämlich die historisch korrekte Benennung der hier erwähnten Orte.

ALS OB DIES nicht schon ärgerlich genug wäre, führt eine genauere Begutachtung dieses offiziellen Webauftrittes des Zukunftsfonds zu einer Dreistigkeit, die nur noch als Provokation bezeichnet werden kann.

Denn das zum Ärger der Vertriebenen oft angewandte Prinzip, wonach nur die heute üblichen Orts-namen angeführt werden, wird keineswegs konsequent durchgezogen. Die besagte Presseaussendung gibt es nämlich auch in einer tschechischen Version. Und dort machten sich die Autoren durchaus die Mühe, Ortsnamen zu übersetzen.

Nein, nicht die tschechischen ins Deutsche. Sondern - man lese und staune - die deutschen ins Tschechische! Also liest man dort von „Weißenbergu" und „Drážd'anech" (von Drážd'any für Dresden). Ja, sogar die Bodenseestadt Konstanz, die ungefähr so tschechisch ist wie München aserbaidschanisch, wird gnadenlos tschechisiert („Kostnická" von Kostnice).

ABER WEN KÜMMERT DAS? Im Verwaltungsrat des Zukunftsfonds sitzen immerhin zwei deutsche Bundestagsabgeordnete - Klaus Brähmig (CDU) und Reiner Deutschmann (FDP) - sowie mit Martin Kastler auch ein CSU-Europaabgeordneter. Stellvertretender Vorsitzender ist mit Albrecht Schläger ein ehemaliger bayerischer SPD-Landtagsabgeordneter.

HABEN DIE DAS GELESEN? Man darf gespannt sein, ob diese Herren ihren Einfluß zumindest jetzt geltend machen, da sie auf diesen Mißstand gestoßen werden. Oder ob ihnen die Ortsnamenschande beim Zukunftsfonds so egal ist wie den vielen anderen Geschichts-Ignoranten.

Dieser Kommentar von Manfred Maurer erschien in der Sudetenpost Folge 7 vom 4. Juli  2013.

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