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Karl Maschek: Die Denkmäler sudetenländischer Wissenschaftler in den Arkaden der Universität Wien

Utl.: Von 142 Denkmälern stammen 48 (ein Drittel) aus Böhmen, Mähren, Österr. Schlesien

 

Die Denkmäler in den Arkaden der Universität Wien geben dieser Ehrenstätte geistiger Leistung in Österreich Inhalt und Bedeutung. 142 Denkmäler halten die Namen und Verdienste von Angehörigen aller Fakultäten fest, von Juristen, Medizinern, Nationalökonomen, Naturforschern, Philosophen, Staatsmännern und Theologen, die einst an dieser hohen Schule in Forschung und Lehre Hervorragendes für Volk und Staat geleistet haben, deren Höchstleistungen Europas Anerkennung gefunden oder darüber hinaus Weltruhm erlangt haben. Doch waltet in diesen Bogengängen nicht die Stille der Besinnung und Erkenntnis, nicht die Feierlichkeit von Verehrung und Dankbarkeit. Der Alltag drängt hier in seinem natürlichen Ablauf, Studentinnen und Studenten eilen dahin, den durch ihren Zeitplan gegebenen Zielen entgegen. Sie folgen der Pflicht der Stunde – und so sieht man kaum jemanden, der sein Verweilen den Denkmälern zuwendete. Gilt hier das Wort: „Wer viel besitzt, wird manchen Wert verkennen?“

 

Wandelt ein Sudetendeutscher die Denkmalsreihen entlang, so wird er, der währende Heimatsucher, von einer Fülle von Gedanken bedrängt. Seiner Volksgruppe, der sudetendeutschen Volksgruppe, wurde durch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg alles geraubt: der Heimatboden, alles, was er in sich barg, alles was er trug an kleinen und an großen Dingen des Alltags, an Stätten der Bildung, Werten der Kunst, an Schätzen der Kunst – das ganze Erbe von Millionen Menschen aus vielen Jahrhunderten ging verloren, und die Beraubten und aus der Heimat Vertriebenen wurden weithin im mitteleuropäischen Raum und darüber hinaus verstreut. In dieser Lage, da die Beziehungen zu den altgewohnten Dingen der Heimat und zwischen ihren Menschen zerstört worden sind, wird jedem Ding und jeder menschlichen Beziehung im heimatlichen Bereiche ein besonderer Wert eigen. In dieser Einstellung steht der sudetendeutsche Betrachter den 48 Denkmälern in den Arkaden der Wiener Universität gegenüber, die den Professoren oder bedeutenden Persönlichkeiten aus den einst deutschen Gebieten Böhmens, Mährens und Österr. Schlesiens gewidmet worden sind. Sie sind die gebliebenen Zeugen für ein Wirken, das ihren Ursprung in der heute verlorenen Heimat gehabt hat, das hier in Wien, der einstigen Reichshauptstadt, zur Geltung gekommen ist, zu Größe sich gestaltet und an die Menschheit sich verschenkt hat. In diesen Denkmälern lebt die Heimat weiter, hier sind wir Vertriebene ihr nahe in der Liebe, Verehrung und Dankbarkeit gegenüber ihren Größten. Wenn wir mit Österreich singen: „Heimat bist du großer Söhne“, dann denken wir auch an die Großen  unserer sudetendeutschen Heimat, denen in den Arkaden der Wiener Universität Denkmäler gesetzt worden sind, damit sich ihr Vermächtnis in Dankbarkeit und Würdigung erhalte, damit sie im Heimatbewußtsein der Sudetendeutschen unvergessen eingeschlossen bleiben.

Quelle: Heft 4 der Schriftenreihe der Sudetendeutschen Stiftung, München (1983) von OStR. Dipl. Ing. Karl Maschek t /Wien, verdienstvoller Bundeskulturreferent der SLÖ