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Original-Manuskript | Gregor Johann Mendel | Vererbungslehre | Genetik | Brünn |  Augustiner-Orden |

 
Wien / Brünn, am 15. Feber 2012
 
Original-Manuskript von Gregor Mendel der Augustiner-Abtei in Brünn zurückgegeben.
 
   Augustiner, die Hüter des wertvollen Original-Manuskirpt
 

 

Das Original-Manuskript Gregor Mendels ist nach Brünn zurückgekehrt
Utl.: Mendel schuf die Grundlagen der Genetik
 
Das Manuskript des Augustiner-Abtes Gregor Johann Mendel "Versuche über Pflanzenhybriden", in dem er die Vererbungslehre und damit die Grundlagen der Genetik veröffentlichte, wurde dem Augustiner-Vikariat Wien im Jahr 1987 von tschechischen Augustinern anvertraut, um es sicher und außerhalb des Zugriffs des kommunistischen Regimes aufzubewahren.
 
Da die damaligen Gründe für die Aufbewahrung dieses Dokumentes an einem anderen Ort nun nicht mehr existieren, hat das Augustiner-Vikariat Wien das Manuskript mit der Hilfe des tschechischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten und in guter Zusammenarbeit mit der Landesregierung Baden-Württemberg, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, dem tschechischen Generalkonsul in München sowie Rechtsanwalt Dr. Horst Teller am Donnerstag, dem 9. Februar 2012, an den Ort seiner Entstehung, die Augustiner-Abtei in Alt Brünn, zurückgegeben.
Im Augustinerkloster in Alt-Brünn forschte Mendel
 
Die Mendelschen Vererbungsgesetze kennen die meisten Menschen aus ihrer Schulzeit. Dass das Originalmanuskript der „Versuche über Pflanzen-Hybriden“, die der Augustinermönch Johann Gregor Mendel im Jahr 1865 im Augustinerkloster in Brünn verfasst hatte, sich über 20 Jahre lang in der Verwahrung von Mendels Ordensbruder P. Clemens Richter OSA befand, einem Nachfahren von Mendels älterer Schwester Veronika, war nur einem eingeweihten Personenkreis bekannt.
 
Dass dieses Dokument von hohem wissenschafts- und kulturgeschichtlichem Rang also in einem Pfarrhaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart deponiert war, wurde auch der Diözese selbst erst bekannt, als es am Donnerstagvormittag, den 9. Feber, im Beisein des tschechischen Generalkonsuls in München, Josef  Hlobil, und anderer hochrangiger Repräsentanten des tschechischen Staates und des Augustinerordens durch Rechtsanwalt Horst Teller von der Stuttgarter Kanzlei Wahlert dem Abt des Brünner Augustinerklosters, Lukás Evzen Martinec, überreicht wurde. Am Nachmittag 9. Februar gab dann der tschechische Außenminister, Karel Fürst zu Schwarzenberg, dazu in Prag eine Pressekonferenz. Pünktlich zum 190. Geburtstag Mendels am 20. Juli kehrt das Manuskript wieder an seinen Entstehungsort Brünn zurück, wo es im Rahmen einer großen Ausstellung zum dortigen Mendeljahr im Mendel-Museum der Masaryk-Universität der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Der Weg von Mendels Manuskript aus Brünn heraus und wieder dorthin zurück sage viel aus über die Geschichte Mitteleuropas und die gemeinsame Geschichte Tschechiens, Österreichs und Deutschlands, betonte Jiři Čistecký, Direktor der Abteilung Zentraleuropa des tschechischen Außenministeriums. Dass hier ein Kreis wieder geschlossen worden sei, sei wichtig und beispielhaft für einen konstruktiven und versöhnlichen Umgang mit der Geschichte. Als ein „Zeichen der Versöhnung“ betrachtete auch der Regionalvikar des Augustinerordens, P. Dominic Sadrawetz OSA, Wien, die gelungene Rückführung von Mendels Werk. Er hatte gemeinsam mit Rechtsanwalt Horst Teller und der Kanzlei Wahlert unter teilweise großen Schwierigkeiten den Weg dafür geebnet. Seit 2010 befand sich das Manuskript in der Verwahrung der Kanzlei.
 
Mendels Wurzeln waren in Österr.-Schlesien
 
Das 48 Seiten umfassende, in gestochener Handschrift geschriebene Manuskript Mendels hat eine bewegte Geschichte. Der am 20. Juli 1822 im österreichisch-schlesischen Heinzendorf bei Odrau geborene Theologe und „Vater der Genetik“ wurde 1843 als Bruder Gregorius in die Augustinerabtei St. Thomas in Brünn aufgenommen und war später deren Abt. Seinen Vortrag über „Versuche mit Pflanzen-Hybriden“ hatte er 1865 vor dem „Naturforschenden Verein in Brünn“ vorgetragen. Obwohl die Arbeit damals publiziert und weit verbreitet wurde, geriet sie in Vergessenheit. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, lange nach Mendels Tod im Jahr 1884, wurde die Bedeutung dieser Forschung erkannt. Hugo Iltis, der Biograph Mendels, hatte das Manuskript damals in einer alten Kiste im Brünner Kloster entdeckt und in seinem 1924 in Berlin erschienenen Buch „Gregor Johann Mendel“ gewürdigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als verschollen, wie so viele Kulturgüter, die in den Kriegswirren untergingen.
 
Sogar ČR-Außenminister Fürst Schwarzenberg intervenierte
 
Als Problem für die Bemühungen des Regionalvikariats des Augustinerordens in Wien um eine Rückführung von Mendels Originalmanuskript an seinen Ursprungsort erwies sich unter anderem, dass dieses in die Liste deutscher Kulturgüter aufgenommen werden sollte und damit nicht mehr außer Landes gebracht werden durfte. Im Laufe der schwierigen Verhandlungen zu dieser Frage hatte sogar der tschechische Außenminister Schwarzenberg die baden-württembergische Landesregierung um Unterstützung gebeten.
 

 

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