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Anton Enders zum 91. Geburtstag

Unser Landsmann und Komponist Anton Enders hat am 30. März seinen 91. Geburtstag gefeiert.

Das Licht der Welt erblickte er in Komotau im Jahre 1923 in der ehrwürdigen Gerstnergasse Nr. 44. Sein musikalisches Talent zeigte sich bald und so besuchte er schon mit sechs Jahren den Violinunterricht bei Kapellmeister Franz Müller in der Lessingstraße.

Bereits mit zehn Jahren spielte er am Sonntagnachmittag in einer Knabenkapelle in der Besetzung vier Violinen, Gitarre, Akkordeon im „Gasthaus zur Donau" in der Fleischbankgasse zur Unter-haltung. Es waren Melodien von Johann Strauß, Karl Komzak, Nico Dostal, Ouvertüren von Franz von Suppé: „Leichte Kavallerie", „Dichter und Bauer" und „Banditenstreiche" und anderes.

Den Wunsch, Musik zu studieren, faßte er nach dem beeindruckenden Besuch des Konzerts des neu gegründeten Prager Philharmonischen Orchesters unter seinem jungen Dirigenten Joseph Keilberth in den Städtischen Parksälen in Komotau im November 1940. Alsbald bekam er Klavierunterricht bei Herrn Görner in der Kantstraße und bereits ein Jahr später spielte er in den Parksälen zum „Tag der Hausmusik" die „Phantasie in c-moll" von Mozart „mit musikalischem Einfühlungsvermögen und technischem Können", so der Kritiker Franz Roscher im „Deutschen Volksblatt", Komotau.

Selbstverständlich waren neben den Musiknoten auch die anderen Schulnoten wichtig. Nach dem Besuch der Volksschule in der Gabelsbergerstraße war er Schüler am Deutschen Staatsreal-gymnasium in Komotau, wo er im März 1942 die mündliche Maturaprüfung ablegte.

Kurz vor seinem 19. Geburtstag kam die Einberufung zur Wehrmacht. Am Gründonnerstag 1944 konnte er im Rahmen eines einwöchigen Sonderurlaubs die Aufnahmeprüfung am Deutschen Hochschulinstitut für Musik in Prag ablegen, in den Fächern Komposition bei Fidelio F. Finke, Dirigieren bei Josef Keilberth und Klavier bei Prof. Franz Langer.

Bei der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im August 1945 in Bamberg wurden die sudetendeutschen Heimkehrer vor der Rückkehr ins Sudetenland gewarnt. So blieb er in Bayern und studierte von 1946-1949 an der Akademie für Tonkunst in München Komposition bei Joseph Haas, Dirigieren bei Hans Rosbaud und Kurt Eichhorn. Danach war Anton Enders als freischaffender Komponist tätig. Es entstanden in rascher Folge acht böhmische Tänze, vier Egerländer Tänze, Volkslieder-Suite für gemischten Chor und Orchester und vieles mehr, die bei den westdeutschen Rundfunkstationen gespielt wurden.

Ein weiterer Meilenstein in seinem Musikleben war 1953 die erfolgreiche Ausbildung zum Ton-meister am Rundfunktechnischen Institut in Nürnberg. Dem folgte ab April 1955 die Anstellung beim Südwestfunk in Baden-Baden. Hier betreute er das Sinfonieorchester des SWF und die Landesorchester in Konstanz und Reutlingen, die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und das Kurpfälzer Kammerorchester Mannheim, gastweise auch das BBC-Orchester bei einer Tournee im Sendegebiet. Mehr als drei Jahrzehnte betreute er erfolgreich alljährlich die Donaueschinger Musiktage für zeitgenössische Tonkunst.

Nach seiner Pensionierung 1988 widmete er sich vorwiegend der Kammermusik. Es folgten neue Kompositionen und Aufführungen mit der Baden-Badener Philharmonie, dem Südwestdeutschen Brahms-Chor und anderen.

Sie alle aufzuzählen wäre seitenfüllend. Erwähnt werden muß die Zusammenarbeit mit Sudeten-deutschen Institutionen wie der Sudetendeutschen Landsmannschaft, dem Sudetendeutschen Musikinstitut mit Prof. Widmar Hader, der Künstlergilde Esslingen und dem Arbeitskreis Egerländer Kunstschaffender e.V. Dieser Arbeitskreis veranstaltet jährlich grenzüberschreitende Konzerte, vornehmlich in den Bäderstädten des Egerlandes mit großen Orchestern der Westböhmischen Philharmonie Marienbad, der Nordböhmischen Philharmonie Teplitz sowie des Radio-Symphonie- Orchesters Pilsen, die die Egerländer Tänze und böhmischen Tänze immer unter der bewährten Leitung von Prof. Armin Rosin spielen. Sein Musikwerk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

So erhielt er bereits Pfingsten 1959 anläßlich des Sudetendeutschen Tages in Wien aus den Händen von Lodgman von Auen den Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik.

 

 

 

Anton Endes und Armin Rosin